Brunnenwasser
Brunnenwasser im Aquarium
Brunnenwasser kann für Aquarien eine sehr gute Alternative zu Leitungswasser sein – aber nur dann, wenn seine Zusammensetzung bekannt ist und regelmäßig kontrolliert wird. Anders als Leitungswasser unterliegt Brunnenwasser keiner einheitlichen Zusammensetzung. Schon zwischen zwei Brunnen in derselben Region können die Wasserwerte deutlich voneinander abweichen.
Für die Aquaristik ist deshalb nicht entscheidend, ob Wasser aus einem Brunnen oder aus der Wasserleitung kommt. Entscheidend ist, was tatsächlich im Wasser enthalten ist.
Welche Wasserwerte sind bei Brunnenwasser wichtig?
Wer Brunnenwasser für sein Aquarium verwenden möchte, sollte zumindest folgende Werte kennen:
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pH-Wert
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GH (Gesamthärte)
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KH (Karbonathärte)
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Nitrat (NO₃)
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Nitrit (NO₂)
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Ammonium (NH₄)
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Phosphat (PO₄)
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Leitfähigkeit
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Calcium und Magnesium
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Eisen und andere Metalle, wenn es Hinweise auf entsprechende Belastungen gibt
Bei problematischen oder unbekannten Brunnenwässern können zusätzlich Untersuchungen auf beispielsweise Kupfer, Mangan, Sulfat, Chlorid oder andere Stoffe sinnvoll sein.
Brunnenwasser ist nicht automatisch besser als Leitungswasser
Ein häufiger Irrtum ist die Annahme, Brunnenwasser sei grundsätzlich natürlicher und deshalb automatisch besser für Fische und Pflanzen.
Das stimmt so nicht.
Brunnenwasser kann sehr gute Werte besitzen und für viele Aquarien hervorragend geeignet sein. Es kann aber ebenso hohe Härte, hohe Nitratwerte, Eisen, Mangan oder andere unerwünschte Bestandteile enthalten.
Auch ein optisch klares Wasser kann Stoffe enthalten, die man mit bloßem Auge nicht erkennen kann.
Warum kann Brunnenwasser für Aquarien interessant sein?
Brunnenwasser hat einen großen Vorteil: Es besitzt häufig eine sehr konstante Zusammensetzung.
Bei einem eigenen Brunnen kann sich über längere Zeit ein stabiles Wasserprofil ergeben. Kennt man diese Werte, kann man die Wasseraufbereitung entsprechend darauf abstimmen.
Für Fische und Wirbellose kann ein konstantes Wasser häufig wichtiger sein als ein theoretisch perfekter Einzelwert.
Beispielsweise kann ein Aquarium mit etwas härterem Wasser hervorragend funktionieren, wenn die Tiere dafür geeignet sind und die Wasserwerte stabil bleiben.
Brunnenwasser und Härte
Viele Brunnenwässer sind relativ mineralreich. Das kann sich in einer höheren GH und KH bemerkbar machen.
Eine höhere GH bedeutet, dass mehr Calcium- und Magnesiumsalze vorhanden sind. Die KH beschreibt hauptsächlich die Konzentration der hydrogencarbonathaltigen Bestandteile und beeinflusst zusammen mit anderen Faktoren die Pufferkapazität des Wassers.
Für typische Weichwasserbewohner kann hartes Brunnenwasser ungeeignet sein. Für viele Lebendgebärende, bestimmte Regenbogenfische, afrikanische Buntbarsche oder andere Hartwasserbewohner kann es dagegen sehr gut passen.
Entscheidend sind deshalb immer die Ansprüche der gepflegten Tiere.
Nitrat im Brunnenwasser
Ein besonders wichtiger Punkt ist Nitrat.
Auch wenn das Wasser aus einem eigenen Brunnen kommt, kann der Nitratgehalt erhöht sein. Besonders in landwirtschaftlich genutzten Regionen kann Nitrat aus dem Boden in das Grundwasser gelangen.
Für ein Aquarium ist deshalb eine regelmäßige Nitratkontrolle sinnvoll.
Ein hoher Nitratwert im Ausgangswasser kann beispielsweise dazu führen, dass man trotz regelmäßiger Wasserwechsel dauerhaft hohe Nitratwerte im Aquarium feststellt.
Hier wird manchmal fälschlicherweise angenommen, dass die Wasserwechsel „nicht funktionieren“. Tatsächlich wird aber lediglich Wasser mit einem bereits erhöhten Nitratgehalt nachgefüllt.
Eisen und Mangan
Brunnenwasser kann Eisen oder Mangan enthalten.
Das Wasser kann beim Austritt zunächst vollkommen klar sein und sich erst nach Kontakt mit Luft verändern. Eisen kann oxidieren und dadurch eine gelbliche, bräunliche oder rötliche Färbung beziehungsweise Ablagerungen verursachen.
Geringe Mengen sind nicht automatisch ein Problem. Höhere Konzentrationen können jedoch technisch und aquaristisch störend sein.
Bei stark eisenhaltigem Brunnenwasser können beispielsweise Filter, Rohrleitungen oder Dekorationen mit der Zeit Ablagerungen bekommen.
Sauerstoff und Kohlensäure
Grundwasser ist häufig sauerstoffärmer als frisch belüftetes Oberflächenwasser und kann eine andere Zusammensetzung an gelösten Gasen besitzen.
Nach dem Fördern verändert sich das Wasser durch den Kontakt mit der Luft. Deshalb können sich pH-Wert, Kohlendioxid und bestimmte gelöste Stoffe nach dem Pumpen verändern.
Das bedeutet: Ein frisch aus dem Brunnen entnommenes Wasser muss nicht exakt dieselben Eigenschaften besitzen wie dasselbe Wasser einige Stunden später.
Für die Aquaristik kann es deshalb sinnvoll sein, eine Wasserprobe nicht nur unmittelbar nach der Entnahme, sondern gegebenenfalls auch nach einer gewissen Standzeit zu untersuchen.
Brunnenwasser vor dem ersten Einsatz untersuchen
Wer einen neuen Brunnen für die Aquaristik verwenden möchte, sollte nicht einfach einen großen Wasserwechsel damit durchführen.
Besser ist es, zunächst eine Wasseranalyse durchführen zu lassen.
Besonders wichtig ist die Untersuchung dann, wenn:
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der Brunnen neu ist,
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der Brunnen längere Zeit nicht benutzt wurde,
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sich die Umgebung verändert hat,
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landwirtschaftliche Flächen in der Nähe liegen,
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das Wasser ungewöhnlich riecht oder sich verfärbt,
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Fische oder Wirbellose nach Wasserwechseln auffällig reagieren.
Bei einem eigenen Brunnen ist eine gelegentliche Kontrolle sinnvoll, weil sich Wasserwerte über die Jahre verändern können.
Brunnenwasser und Osmosewasser
Brunnenwasser kann auch als Ausgangswasser für eine Osmoseanlage verwendet werden.
Dabei entfernt die Osmoseanlage einen großen Teil der gelösten Stoffe. Anschließend kann das Wasser gezielt mit entsprechenden Aufhärtesalzen oder Mineralien eingestellt werden.
Das ist besonders interessant, wenn das Brunnenwasser sehr hart oder anderweitig ungünstig zusammengesetzt ist.
Allerdings sollte man auch hier die Ausgangswerte kennen. Ein stark belastetes Wasser kann die Membran und Vorfilter einer Osmoseanlage stärker beanspruchen.
Brunnenwasser für Garnelen
Bei Garnelen ist die Wasserzusammensetzung besonders wichtig.
Neocaridina kommen beispielsweise mit unterschiedlichen Wasserwerten relativ gut zurecht, sofern diese stabil sind. Bei empfindlicheren Garnelenarten können Calcium, Magnesium, KH, GH und Leitfähigkeit wesentlich genauer eingestellt werden müssen.
Bei Brunnenwasser sollte deshalb nicht nach dem Motto „natürlich ist immer besser“ vorgegangen werden.
Stabilität und passende Mineralisierung sind wichtiger als die Herkunft des Wassers.
Kann man Brunnenwasser direkt ins Aquarium geben?
Ja, das ist grundsätzlich möglich – wenn das Wasser nachweislich für die jeweiligen Tiere geeignet ist.
Bei einem bekannten und regelmäßig kontrollierten Brunnenwasser kann ein direkter Einsatz durchaus problemlos funktionieren.
Bei unbekannter Wasserqualität würde ich dagegen nicht direkt größere Mengen verwenden.
Gerade bei einem Aquarium mit empfindlichen Fischen oder Wirbellosen sollte man zuerst die Wasserwerte kontrollieren und gegebenenfalls einen kleinen Wasserwechsel durchführen, bevor man größere Mengen Brunnenwasser einsetzt.
Brunnenwasser regelmäßig kontrollieren
Auch wenn ein Brunnen über Jahre problemlos funktioniert, sollte man die Wasserwerte nicht nur einmal messen und dann für immer als unverändert betrachten.
Grundwasser kann sich verändern.
Deshalb empfiehlt sich eine regelmäßige Kontrolle der wichtigsten Werte. Besonders nach außergewöhnlichen Ereignissen, beispielsweise starken Niederschlägen, längeren Trockenperioden oder Veränderungen in der Umgebung, kann eine zusätzliche Kontrolle sinnvoll sein.
Brunnenwasser im Aquarium – unser Praxistipp
Brunnenwasser kann für die Aquaristik hervorragend geeignet sein. Wir würden aber niemals allein aufgrund der Herkunft entscheiden, ob ein Wasser gut oder schlecht für ein Aquarium ist.
Nicht „Brunnenwasser“ oder „Leitungswasser“ entscheidet über die Eignung, sondern die tatsächliche Wasseranalyse.
Wer sein Brunnenwasser kennt, kann es gezielt für die passenden Aquarien einsetzen. Bei ungeeigneten Werten kann eine Mischung mit Osmosewasser oder eine vollständige Aufbereitung die bessere Lösung sein.
Gerade bei Problemen mit Fischen, Garnelen, Schnecken, Pflanzen oder Algen lohnt es sich deshalb, nicht nur das Aquariumwasser, sondern auch das verwendete Ausgangswasser zu untersuchen.
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Fazit
Brunnenwasser kann eine hervorragende Grundlage für ein Aquarium sein. Es kann mineralreich, stabil und für bestimmte Fisch- und Wirbellosenarten sogar besser geeignet sein als sehr weiches Leitungswasser.
Es gibt allerdings kein allgemein gültiges „gutes Brunnenwasser“.
Jeder Brunnen ist anders.
Wer Brunnenwasser im Aquarium einsetzen möchte, sollte deshalb die wichtigsten Wasserwerte kennen, Veränderungen beobachten und das Wasser regelmäßig kontrollieren. Besonders Nitrat, Härte, pH-Wert und mögliche Metalle sollten berücksichtigt werden.
Bei Aquaristik Tom beurteilen wir Wasser deshalb grundsätzlich anhand seiner tatsächlichen Werte und der Bedürfnisse der gepflegten Tiere – nicht allein danach, woher das Wasser stammt.
