Altwasser im Aquarium
Als Altwasser bezeichnet man Aquarienwasser, das über einen längeren Zeitraum im Becken verbleibt und sich durch biologische Prozesse verändert hat. Im Gegensatz zu frisch gewechseltem Wasser enthält Altwasser eine größere Menge gelöster organischer Stoffe, Huminstoffe und Mikroorganismen. Dadurch entsteht häufig ein sehr stabiles biologisches Gleichgewicht, das von vielen Aquarienbewohnern geschätzt wird.
Im Laufe der Zeit siedeln sich im Aquarium unzählige nützliche Bakterien und Mikroorganismen an. Sie bauen organische Abfälle ab und tragen dazu bei, dass das Wasser biologisch stabil bleibt. Gleichzeitig werden durch Wurzeln, Laub oder Torf Huminstoffe freigesetzt, die das Wasser leicht bernsteinfarben färben können. Besonders viele südamerikanische Fischarten, Zwergbuntbarsche, Salmler, Diskusfische sowie zahlreiche Garnelenarten fühlen sich in solchem Wasser besonders wohl, da es ihren natürlichen Lebensräumen sehr nahekommt.
Ein häufiger Irrtum besteht darin, dass Altwasser grundsätzlich schlechter sei als frisches Wasser. Tatsächlich ist das Gegenteil oft der Fall: Ein biologisch stabiles Aquarium mit regelmäßig gepflegtem Altwasser kann für viele Tiere deutlich angenehmer sein als ein Aquarium mit ständig stark schwankenden Wasserwerten. Vor allem der pH-Wert verändert sich in gut eingefahrenen Becken meist nur langsam, wodurch die Tiere weniger Stress erfahren.
Dennoch darf Altwasser nicht mit mangelnder Pflege verwechselt werden. Auch wenn das biologische Gleichgewicht hervorragend funktioniert, reichern sich mit der Zeit Stoffe an, die von den Filterbakterien nicht vollständig entfernt werden können. Dazu gehören unter anderem Nitrat, Phosphat, gelöste organische Verbindungen sowie verschiedene Stoffwechselprodukte der Fische und Pflanzen. Steigen diese Werte dauerhaft an, kann dies das Algenwachstum fördern und langfristig die Gesundheit der Aquarienbewohner beeinträchtigen.
Aus diesem Grund sind regelmäßige Teilwasserwechsel auch in einem stabil laufenden Aquarium unverzichtbar. Sie entfernen überschüssige Nährstoffe, führen frische Mineralstoffe zu und sorgen dafür, dass sich keine problematischen Stoffe anreichern. In den meisten Süßwasseraquarien hat sich ein wöchentlicher Teilwasserwechsel von 20 bis 30 % bewährt. Stark besetzte Aquarien oder Zuchtanlagen benötigen häufig größere oder häufigere Wasserwechsel, während schwach besetzte Pflanzenaquarien teilweise mit etwas geringeren Wechselmengen auskommen.
Besonders wichtig ist, größere Wasserwechsel möglichst gleichmäßig durchzuführen. Sehr große Wasserwechsel von 80 oder 90 Prozent können die Wasserchemie plötzlich verändern und empfindliche Fische unter Stress setzen. Regelmäßige kleinere Wasserwechsel sorgen dagegen für stabile Bedingungen und erhalten gleichzeitig die positiven Eigenschaften des biologisch gereiften Altwassers.
Fazit:
Altwasser ist kein Zeichen mangelnder Pflege, sondern beschreibt biologisch gereiftes Aquarienwasser mit einem stabilen Gleichgewicht. Viele Fisch- und Garnelenarten profitieren von diesen konstanten Bedingungen. Entscheidend ist jedoch, dass sich Schadstoffe nicht anreichern. Regelmäßige Teilwasserwechsel, eine angepasste Fütterung und eine gute Filterbiologie sorgen dafür, dass die Vorteile des Altwassers erhalten bleiben und das Aquarium dauerhaft gesund und stabil läuft.
