Karbonathärte (KH) im Aquarium
Die Karbonathärte (KH) gehört zu den wichtigsten Wasserwerten in der Aquaristik. Sie beeinflusst maßgeblich, wie stabil der pH-Wert eines Aquariums bleibt und wie empfindlich das Wasser auf Säuren reagiert.
Besonders bei der Haltung von Weichwasserfischen, bei Garnelen, in Pflanzenaquarien und bei der CO₂-Düngung spielt die KH eine wichtige Rolle.
Die wichtigste Aufgabe der KH ist ihre Beteiligung an der Säurepufferung des Wassers. Sie hilft dabei, starke und plötzliche Veränderungen des pH-Wertes abzufangen.
Was bedeutet Karbonathärte?
Im Aquarium wird mit KH üblicherweise die Karbonathärte bezeichnet. Der Begriff ist in der Aquaristik weit verbreitet, chemisch ist die gemessene KH jedoch nicht immer identisch mit der tatsächlichen Karbonathärte.
Bei der üblichen Messung werden vor allem Hydrogencarbonate und Carbonate erfasst, die zur Alkalinität des Wassers beitragen.
Diese Stoffe können Säuren neutralisieren und tragen damit zur Stabilität des pH-Wertes bei.
Die KH wird meistens in Grad deutscher Härte (°dKH) angegeben.
Welche KH-Werte gibt es?
Die folgende Einteilung dient als grobe Orientierung:
KH Einordnung
0–1 °dKH sehr geringe Pufferkapazität
1–3 °dKH geringe Pufferkapazität
3–6 °dKH mäßige Pufferkapazität
6–10 °dKH mittlere bis höhere Pufferkapazität
über 10 °dKH hohe Pufferkapazität
Diese Bereiche sind keine festen biologischen Grenzen. Ob ein Wert geeignet ist, hängt von den gepflegten Tieren, den Pflanzen und dem gewünschten Aquarientyp ab.
Warum ist die KH so wichtig?
Im Aquarium entstehen ständig Säuren. Dazu gehören beispielsweise Kohlensäure und verschiedene organische Säuren, die bei biologischen Prozessen entstehen.
Ohne ausreichende Pufferkapazität kann der pH-Wert deshalb deutlich schwanken.
Die KH wirkt diesem Effekt entgegen, indem Hydrogencarbonate Säuren aufnehmen können.
Vereinfacht gesagt:
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Eine höhere Alkalinität kann mehr Säure abfangen.
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Eine niedrige Alkalinität bietet weniger Puffer gegen Säureeinträge.
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Bei sehr niedriger KH kann der pH-Wert empfindlicher auf Veränderungen reagieren.
Eine hohe KH garantiert allerdings nicht, dass der pH-Wert immer stabil bleibt. Auch biologische Prozesse, CO₂-Gehalt und andere chemische Faktoren spielen eine Rolle.
KH und pH-Wert – wo liegt der Unterschied?
Diese beiden Wasserwerte werden häufig verwechselt.
KH: Beschreibt im aquaristischen Alltag vor allem die Säurebindungsfähigkeit des Wassers.
pH-Wert: Beschreibt, wie sauer oder basisch das Wasser ist.
Die KH gibt also Auskunft darüber, wie gut das Wasser Säuren abpuffern kann. Der pH-Wert zeigt dagegen den aktuellen Säure-Basen-Zustand an.
Ein Aquarium kann deshalb beispielsweise eine niedrige KH und einen relativ hohen pH-Wert haben. Ebenso kann ein Aquarium mit höherer KH einen niedrigeren pH-Wert aufweisen, wenn genügend CO₂ oder andere Säuren vorhanden sind.
Was passiert bei einer zu niedrigen KH?
Bei einer sehr niedrigen KH ist die Pufferkapazität gering.
Dadurch können Veränderungen im Aquarium stärkere Auswirkungen auf den pH-Wert haben.
Mögliche Ursachen sind:
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Verwendung von Osmosewasser ohne ausreichende Remineralisierung
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sehr weiches Ausgangswasser
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Säurebildung durch biologische Abbauprozesse
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Nitrifikation im Filter
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langfristig fehlender Mineralstoffeintrag
Bei empfindlichen Aquarien kann der pH-Wert dadurch deutlich absinken. Ein starker und rascher Abfall wird häufig als pH-Sturz bezeichnet.
Eine niedrige KH ist jedoch nicht automatisch schlecht. Viele Fische aus Schwarzwassergebieten leben natürlicherweise in Wasser mit sehr geringer Alkalinität. Solche Aquarien benötigen allerdings eine sorgfältige Planung und Überwachung.
Was passiert bei einer zu hohen KH?
Eine hohe KH bedeutet eine größere Pufferkapazität. Der pH-Wert lässt sich dann durch die Zugabe kleiner Säuremengen meist weniger stark verändern.
Das kann bei Arten problematisch sein, die dauerhaft weiches, schwach gepuffertes Wasser benötigen.
Eine hohe KH ist aber nicht grundsätzlich schädlich. Viele Fische und Wirbellose kommen mit mittleren oder hohen Werten gut zurecht, sofern die übrigen Wasserbedingungen passen.
Entscheidend ist deshalb nicht, die KH grundsätzlich möglichst niedrig zu halten, sondern sie an die Bedürfnisse der Aquarienbewohner anzupassen.
KH und Gesamthärte (GH)
Die KH und die GH beschreiben unterschiedliche Eigenschaften des Wassers.
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GH (Gesamthärte): hauptsächlich Calcium und Magnesium.
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KH im Aquariengebrauch: vor allem Hydrogencarbonate und Carbonate beziehungsweise die damit verbundene Alkalinität.
Beide Werte können gemeinsam steigen, müssen es aber nicht.
Ein Wasser kann beispielsweise eine hohe GH und eine niedrige KH aufweisen. Das ist möglich, wenn viel Calcium und Magnesium vorhanden sind, aber nur wenig Hydrogencarbonat und Carbonat.
Ebenso kann die GH niedrig und die KH vergleichsweise hoch sein.
Wichtig: Aus der GH lässt sich die KH nicht zuverlässig ableiten. Beide Werte sollten separat gemessen werden.
KH und CO₂-Düngung
Die KH ist bei der CO₂-Düngung besonders wichtig, weil sie zusammen mit dem pH-Wert zur groben Abschätzung des gelösten CO₂-Gehalts herangezogen werden kann.
Für eine solche Berechnung müssen allerdings die Voraussetzungen stimmen. Andere Säuren und Pufferstoffe können das Ergebnis verfälschen.
Ein häufiger Fehler ist es, den pH-Wert ausschließlich durch eine immer höhere CO₂-Zufuhr absenken zu wollen.
Das kann für Fische und Wirbellose gefährlich werden.
CO₂ sollte nach dem Bedarf der Pflanzen und der Verträglichkeit für die Tiere dosiert werden – nicht allein nach dem gewünschten pH-Wert.
Bei niedriger KH sollte besonders vorsichtig vorgegangen werden, da der pH-Wert und die CO₂-Konzentration nicht unabhängig voneinander betrachtet werden dürfen.
KH und Wasserpflanzen
Wasserpflanzen unterscheiden sich darin, wie sie Kohlenstoff aufnehmen.
Viele Pflanzen nutzen gelöstes CO₂. Andere Arten können unter bestimmten Bedingungen auch Hydrogencarbonat als Kohlenstoffquelle verwenden.
Daraus ergeben sich Unterschiede bei der Eignung für verschiedene Wasserbedingungen.
Eine niedrige KH kann in einem gut geplanten Pflanzenaquarium durchaus sinnvoll sein, insbesondere bei CO₂-Düngung. Sie ist jedoch keine Garantie für besseres Pflanzenwachstum.
Licht, CO₂, Nährstoffe und die Pflanzenarten müssen zusammenpassen.
KH und Fische
Die passende KH hängt von der natürlichen Herkunft der jeweiligen Fischart und ihrer Anpassungsfähigkeit ab.
Viele Arten aus Schwarzwassergebieten leben in Gewässern mit geringer Alkalinität. Andere Arten stammen aus mineralreicheren Gewässern und vertragen höhere Werte.
Bei der Auswahl der Wasserwerte sollte man deshalb die konkreten Ansprüche der Tiere berücksichtigen und nicht alle Fische nach demselben Schema halten.
Besonders bei empfindlichen Arten ist ein stabiler, passender Wert meist sinnvoller als häufige, abrupte Veränderungen.
KH bei Garnelen
Bei Garnelen muss zwischen verschiedenen Arten und Zuchtformen unterschieden werden.
Viele Neocaridina kommen mit einer mäßigen KH gut zurecht. Bei Bienengarnelen werden dagegen häufig niedrige KH-Werte angestrebt, beispielsweise in Verbindung mit geeignetem Osmosewasser und einem dafür vorgesehenen aktiven Bodengrund.
Die KH allein sagt allerdings nicht aus, ob ein Wasser für Garnelen geeignet ist. Ebenso wichtig sind unter anderem:
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GH
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Leitfähigkeit
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Temperatur
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pH-Wert
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Mineralstoffversorgung
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Stabilität der Wasserwerte
Ein passender Wert sollte deshalb immer im Zusammenhang mit den übrigen Wasserparametern betrachtet werden.
KH und Schnecken
Bei Schnecken muss neben der KH besonders auf die Calciumversorgung geachtet werden.
Calcium wird für den Aufbau und die Erhaltung des Gehäuses benötigt. Eine ausreichende Versorgung lässt sich nicht allein aus der KH ablesen, weil die KH nicht direkt die Calciumkonzentration misst.
Sehr weiches, mineralstoffarmes Wasser kann für viele Schnecken ungünstig sein. Allerdings bedeutet eine hohe KH nicht automatisch, dass genügend Calcium vorhanden ist.
Für Schnecken sind die tatsächliche Mineralstoffversorgung und die Wasserbedingungen entscheidend – nicht die KH allein.
KH im Leitungswasser
Die KH des Leitungswassers hängt von der Herkunft des Wassers und der Aufbereitung ab.
In manchen Regionen ist das Wasser weich und besitzt eine geringe KH. In anderen Regionen ist es stark gepuffert und weist eine hohe KH auf.
Für die Aquaristik ist deshalb eine Messung des eigenen Leitungswassers sinnvoll.
Wenn du regelmäßig Wasserwechsel durchführst, beeinflusst die KH des Wechselwassers langfristig auch die KH im Aquarium.
KH bei Brunnenwasser
Brunnenwasser kann sehr unterschiedliche Werte aufweisen.
Je nach geologischem Untergrund kann es viel oder wenig Hydrogencarbonat enthalten. Eine hohe GH bedeutet dabei nicht automatisch eine hohe KH.
Bei unbekanntem Brunnenwasser sollte man neben GH und KH auch weitere wichtige Parameter untersuchen, beispielsweise Nitrat, Nitrit, Ammonium, pH-Wert und Leitfähigkeit. Je nach Brunnen können zusätzliche Untersuchungen sinnvoll sein.
Brunnenwasser sollte nicht allein aufgrund seiner Klarheit oder seines natürlichen Ursprungs als aquarientauglich angesehen werden.
KH senken
Wenn die KH des Ausgangswassers für die gepflegten Tiere zu hoch ist, gibt es verschiedene Möglichkeiten, sie zu reduzieren.
Häufig werden verwendet:
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Umkehrosmosewasser
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eine Mischung aus Leitungs- und Osmosewasser
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geeignete Wasseraufbereitungsverfahren
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aktive Bodengründe für bestimmte Aquarientypen
Die Verwendung von Osmosewasser ist häufig die kontrollierbarste Möglichkeit, weil sich damit die Wasserzusammensetzung gezielt einstellen lässt.
Wichtig ist, dass die Mineralstoffversorgung ebenfalls berücksichtigt wird. Osmosewasser sollte nicht unüberlegt dauerhaft völlig unmineralisiert eingesetzt werden.
Warum Säuren nicht immer die beste Lösung sind
Die KH kann auch durch die Zugabe von Säuren reduziert werden. Dabei wird jedoch nicht einfach nur ein Wasserwert verändert: Die Säure reagiert mit der Alkalinität, und der pH-Wert kann sich stark verändern.
Eine unkontrollierte Säurezugabe kann deshalb gefährlich sein.
Für viele Aquarianer ist es einfacher und sicherer, die Wasserwerte durch eine geeignete Mischung aus Leitungs- und Osmosewasser einzustellen.
KH erhöhen
Eine zu niedrige KH kann bei Bedarf mit geeigneten Aufhärtesalzen oder anderen dafür vorgesehenen Produkten erhöht werden.
Dabei ist die Produktwahl entscheidend:
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Ein GH+-Salz erhöht hauptsächlich die Gesamthärte.
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Ein GH/KH+-Salz erhöht sowohl GH als auch KH.
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Produkte zur gezielten Erhöhung der KH erhöhen vor allem die Alkalinität.
Nicht jedes Aufhärtesalz eignet sich deshalb für jedes Aquarium.
Besonders bei empfindlichen Weichwasserfischen oder Garnelen sollte die Wasserchemie nicht ohne Grund verändert werden.
KH und Wasserwechsel
Wasserwechsel können die KH erhöhen oder senken – abhängig davon, welche Werte das Wechselwasser aufweist.
Ist die KH des Leitungswassers höher als die des Aquarienwassers, kann sie durch regelmäßige Wasserwechsel steigen.
Ist die KH des Wechselwassers niedriger, kann sie entsprechend sinken.
Bei sehr niedriger KH sollte man außerdem beachten, dass biologische Prozesse, insbesondere die Nitrifikation, Alkalinität verbrauchen können. In solchen Aquarien ist eine regelmäßige Kontrolle sinnvoll.
KH messen – wie genau ist der Tröpfchentest?
Im Aquarium wird die KH häufig mit einem Tröpfchentest gemessen.
Dabei wird eine definierte Menge Wasser mit einem Reagenz versetzt, bis ein Farbumschlag erfolgt. Die Anzahl der Tropfen entspricht je nach Testanleitung dem KH-Wert.
Die Genauigkeit hängt unter anderem von der Testmethode, der Probenmenge und der korrekten Durchführung ab.
Bei sehr niedrigen Werten kann bereits ein kleiner Messfehler einen großen Unterschied machen. Deshalb sollte man die Anleitung des jeweiligen Tests genau beachten.
Häufige Fehler bei der KH
1. KH und GH verwechseln
Beide Werte beschreiben unterschiedliche Eigenschaften und sollten getrennt betrachtet werden.
2. Eine möglichst niedrige KH als allgemeines Ziel ansehen
Viele Aquarienbewohner benötigen keine extrem niedrige KH. Der Wert muss zu den gepflegten Arten passen.
3. Den pH-Wert durch immer mehr CO₂ senken wollen
Eine zu hohe CO₂-Konzentration kann Tiere gefährden.
4. Osmosewasser ohne Plan verwenden
Osmosewasser verändert nicht nur die KH, sondern auch die Versorgung mit Mineralstoffen.
5. Wasserwerte zu schnell verändern
Abrupte Veränderungen können Fische und Wirbellose belasten. Anpassungen sollten kontrolliert und möglichst schrittweise erfolgen.
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Fazit
Die Karbonathärte ist ein wichtiger Wasserwert, weil sie eng mit der Säurepufferung und damit mit der Stabilität des pH-Wertes verbunden ist.
Sie beeinflusst unter anderem die Wasseraufbereitung, die CO₂-Düngung und die Eignung des Wassers für bestimmte Fische und Wirbellose.
Dabei gilt:
Eine hohe KH ist nicht automatisch schlecht und eine niedrige KH nicht automatisch gut.
Entscheidend sind die Ansprüche der Aquarienbewohner, die übrigen Wasserwerte und ein möglichst stabiles biologisches System.
Wer GH, KH und pH-Wert richtig auseinanderhält, kann die Wasserbedingungen wesentlich gezielter einstellen und Probleme im Aquarium besser beurteilen.
