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Gesamthärte (GH) im Aquarium

Die Gesamthärte (GH) gehört zu den wichtigsten Wasserwerten in der Aquaristik. Sie beschreibt im Wesentlichen die Menge der im Wasser gelösten Calcium- und Magnesiumionen.

Für Fische, Garnelen, Schnecken und Pflanzen ist die GH von großer Bedeutung, weil Calcium und Magnesium wichtige Funktionen im Stoffwechsel und beim Aufbau von Körperstrukturen übernehmen.

Die GH wird häufig in Grad deutscher Härte (°dGH) angegeben.

 

Was bedeutet Gesamthärte?

Die Gesamthärte gibt vereinfacht an, wie viel Calcium und Magnesium im Wasser vorhanden sind.

Dabei gilt:

GH = Calcium + Magnesium + weitere Erdalkali-Ionen

In der normalen Aquaristik spielen vor allem Calcium und Magnesium eine Rolle.

Je höher deren Konzentration im Wasser ist, desto höher ist die Gesamthärte.

 

Welche GH-Werte gibt es?

Als grobe Einteilung kann man folgende Bereiche verwenden:

    GH                           Bezeichnung

0–4 °dGH                   sehr weich

4–8 °dGH                   weich

8–12 °dGH                 mittel

12–18 °dGH               hart

über 18 °dGH            sehr hart

Diese Einteilung dient nur als Orientierung. Für die Haltung eines bestimmten Fisches ist nicht entscheidend, ob das Wasser laut Tabelle „weich“ oder „hart“ heißt, sondern ob die konkreten Wasserwerte zu den Ansprüchen der Tiere passen.

 

Warum brauchen Fische Calcium und Magnesium?

Calcium und Magnesium sind wichtige Mineralstoffe.

Calcium wird unter anderem benötigt für:

  • Knochen und andere Strukturen

  • Muskel- und Nervenfunktionen

  • Stoffwechselprozesse

  • Osmoregulation

Magnesium spielt ebenfalls eine wichtige Rolle im Stoffwechsel und ist unter anderem Bestandteil des Chlorophylls bei Pflanzen.

Deshalb ist Wasser mit einer gewissen Mineralstoffversorgung für die meisten Aquarienbewohner wichtig.

 

GH und Fische

Fische kommen aus sehr unterschiedlichen Lebensräumen.

Einige Arten stammen aus:

sehr weichem Wasser

andere aus:

mittelhartem bis hartem Wasser.

Beispiele für typische Weichwasserfische sind unter anderem viele Arten aus:

  • dem Amazonasgebiet

  • dem Rio Negro

  • Teilen Südostasiens

Andere Fische kommen dagegen natürlicherweise aus mineralreicherem Wasser.

Die GH sollte deshalb nicht pauschal für alle Aquarien eingestellt werden.

 

GH bei Garnelen

Bei Garnelen ist die Gesamthärte besonders wichtig.

Calcium und Magnesium werden unter anderem für die Bildung des neuen Panzers nach der Häutung benötigt.

Eine völlig mineralstoffarme Umgebung ist deshalb für viele Garnelen problematisch.

Besonders bei Bienengarnelen und anderen Weichwassergarnelen wird häufig mit speziell abgestimmten GH+-Salzen gearbeitet.

Bei Neocaridina kann dagegen je nach Herkunft und Wasserstamm auch deutlich härteres Wasser problemlos funktionieren.

 

GH und Schnecken

Auch Schnecken benötigen Calcium für den Aufbau und die Erhaltung ihres Gehäuses.

Bei dauerhaft sehr weichem und mineralstoffarmem Wasser können sich Probleme entwickeln, beispielsweise:

  • Gehäuseerosion

  • dünne Gehäusestrukturen

  • Löcher oder Beschädigungen

  • schlechtes Gehäusewachstum

Eine ausreichende Calciumversorgung ist deshalb für Schneckenaquarien besonders wichtig.

 

GH und Pflanzen

Auch Wasserpflanzen benötigen Calcium und Magnesium.

Magnesium ist beispielsweise Bestandteil des Chlorophylls und damit direkt an der Photosynthese beteiligt.

Calcium wird ebenfalls für verschiedene Zellfunktionen und das Wachstum benötigt.

Eine extrem niedrige GH bedeutet deshalb nicht automatisch optimale Bedingungen für Pflanzen.

Allerdings benötigen nicht alle Pflanzen dieselbe Mineralstoffkonzentration.

 

GH ist nicht dasselbe wie KH

Diese beiden Wasserwerte werden häufig miteinander verwechselt.

GH = Gesamthärte

Sie beschreibt hauptsächlich Calcium und Magnesium.

KH = Karbonathärte

Sie hängt hauptsächlich mit Hydrogencarbonaten und Carbonaten zusammen und steht in engem Zusammenhang mit der Säurebindungsfähigkeit bzw. Alkalinität des Wassers.

GH und KH können deshalb deutlich voneinander abweichen.

Ein Aquarium kann beispielsweise:

  • niedrige GH und niedrige KH

  • niedrige GH und höhere KH

  • hohe GH und niedrige KH

  • hohe GH und hohe KH

aufweisen.

Deshalb reicht die Aussage „Das Wasser ist hart“ nicht aus, wenn man ein Aquarium genau beurteilen möchte.

 

GH und pH-Wert

Die GH bestimmt den pH-Wert nicht direkt.

Für die Stabilität des pH-Wertes ist vor allem die KH beziehungsweise die Alkalinität von Bedeutung.

Es ist deshalb falsch, beispielsweise zu sagen:

„Hohe GH bedeutet automatisch hohen pH.“

In vielen natürlichen Gewässern treten hohe GH und höhere KH gemeinsam auf, aber chemisch sind die beiden Werte nicht dasselbe.

 

Wie wird die GH gemessen?

Die GH kann mit verschiedenen Wassertests bestimmt werden.

Im Aquarienbereich sind besonders Tröpfchentests praktisch.

Bei einem typischen GH-Test wird eine definierte Menge Aquarienwasser getestet und anschließend ein Reagenz tropfenweise hinzugegeben.

Anhand der Anzahl der benötigten Tropfen wird die Gesamthärte bestimmt.

 

GH in °dGH

Die in der Aquaristik übliche Einheit ist:

°dGH = Grad deutscher Gesamthärte

Ein Grad deutscher Härte entspricht ungefähr 17,8 mg/l Calciumcarbonat-Äquivalent.

Die Angabe dient hauptsächlich dazu, die Härte verschiedener Wasserproben miteinander vergleichen zu können.

 

Leitungswasser und GH

Die GH des Leitungswassers hängt stark von der regionalen Wasserquelle und der Wasseraufbereitung ab.

Deshalb kann Leitungswasser beispielsweise:

  • sehr weich

  • weich

  • mittel

  • hart

  • sehr hart

sein.

Auch innerhalb einer Region können sich die Werte unterscheiden.

Für ein Aquarium sollte man deshalb möglichst die tatsächlichen Werte des eigenen Leitungswassers kennen und nicht nur von allgemeinen Angaben über die Region ausgehen.

 

GH erhöhen

Ist die GH zu niedrig, kann sie gezielt erhöht werden.

Dafür gibt es beispielsweise:

  • GH+-Aufhärtesalze

  • GH/KH+-Salze

  • mineralische Aufhärteprodukte

  • bestimmte Mineralsubstrate

Welches Produkt sinnvoll ist, hängt davon ab, ob nur die GH oder gleichzeitig auch die KH verändert werden soll.

Für viele Weichwassergarnelen ist ein reines GH+-Salz interessant, weil damit die Mineralstoffversorgung erhöht werden kann, ohne die KH unnötig anzuheben.

 

GH senken

Eine zu hohe GH kann unter anderem durch die Verwendung von:

  • Osmosewasser

  • Mischwasser

  • geeigneten Wasseraufbereitungsverfahren

reduziert werden.

Bei der Verwendung von Osmosewasser ist allerdings darauf zu achten, dass das Wasser anschließend wieder gezielt remineralisiert wird.

Vollständig mineralfreies Wasser ist für die dauerhafte Haltung der meisten Aquarienbewohner nicht geeignet.

 

GH und Osmosewasser

Bei der Umkehrosmose werden Calcium, Magnesium und viele andere gelöste Stoffe weitgehend aus dem Wasser entfernt.

Das resultierende Osmosewasser besitzt deshalb normalerweise eine sehr niedrige GH.

Für das Aquarium wird es anschließend je nach gewünschter Wasserqualität wieder remineralisiert.

Dabei kann man die Mineralstoffversorgung gezielt auf die Bedürfnisse der jeweiligen Tiere abstimmen.

 

GH und Aufhärtesalz

Hier sollte man genau auf die Produktbezeichnung achten.

Ein GH+-Salz erhöht hauptsächlich die Gesamthärte.

Ein GH/KH+-Salz erhöht dagegen sowohl GH als auch KH.

Das ist besonders bei empfindlichen Weichwasserarten wichtig.

Wer beispielsweise ein Aquarium für bestimmte Schwarzwasserfische einrichtet, möchte möglicherweise eine niedrige KH beibehalten und sollte deshalb nicht einfach ein beliebiges Aufhärtesalz verwenden.

 

Verändert sich die GH im Aquarium?

Ja.

Die GH kann sich im laufenden Aquarium verändern.

Mögliche Ursachen sind:

  • Verdunstung

  • Wasserwechsel

  • Zugabe von Aufhärtesalzen

  • Verwendung von Osmosewasser

  • mineralische Dekoration

  • Bodengrund

  • Schneckenhäuser und andere Calciumquellen

  • bestimmte Filtermaterialien

  • biologische und chemische Prozesse

Wichtig ist dabei besonders die Verdunstung.

Beim Verdunsten verschwindet hauptsächlich Wasser, während die gelösten Mineralstoffe im Aquarium zurückbleiben.

Wird anschließend nur Leitungswasser nachgefüllt, können sich GH und andere Wasserwerte langfristig erhöhen.

 

GH bei Verdunstung richtig behandeln

Bei stärkerer Verdunstung ist deshalb häufig sinnvoll:

Verdunstetes Wasser mit geeignetem, mineralarmem Wasser nachfüllen.

Das verhindert, dass die Mineralstoffe bei jedem Nachfüllen immer weiter konzentriert werden.

Das gilt besonders bei Aquarien mit:

  • viel Verdunstung

  • offenem Becken

  • warmer Beleuchtung

  • Meerwasser

  • empfindlichen Garnelen

  • sehr genau eingestellten Wasserwerten

 

Warum stabile GH wichtiger sein kann als ein perfekter Wert

Ein häufiger Fehler ist, ständig an den Wasserwerten zu verändern.

Ein Fisch, der beispielsweise dauerhaft in stabilen 8 °dGH lebt, kann unter Umständen besser zurechtkommen als ein Tier, dessen Wasser ständig zwischen 4 und 12 °dGH schwankt.

Deshalb gilt:

Stabilität ist ein wichtiger Bestandteil guter Wasserqualität.

Natürlich sollte der Ausgangswert grundsätzlich zu den Ansprüchen der jeweiligen Tiere passen.

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Fazit

Die Gesamthärte (GH) beschreibt hauptsächlich die Konzentration von Calcium und Magnesium im Wasser.

Sie ist wichtig für:

  • Fische

  • Garnelen

  • Schnecken

  • Wasserpflanzen

  • den allgemeinen Mineralstoffhaushalt des Aquariums

GH und KH sind zwei unterschiedliche Wasserwerte und sollten nicht miteinander verwechselt werden.

Für die Praxis gilt:

Nicht die höchstmögliche oder niedrigstmögliche GH ist das Ziel, sondern eine passende und möglichst stabile Mineralstoffversorgung entsprechend den Bewohnern des Aquariums.

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