Einfahrphase im Aquarium
Was bedeutet Einfahrphase?
Als Einfahrphase bezeichnet man die erste Zeit nach der Einrichtung eines neuen Aquariums, in der sich die biologische Filterung und das gesamte mikrobielle System entwickeln und stabilisieren.
Ein neues Aquarium ist biologisch zunächst noch nicht mit einem lange laufenden Aquarium vergleichbar. Zwar können sich bereits von Anfang an Mikroorganismen auf Oberflächen ansiedeln, aber die vorhandene Bakteriengemeinschaft muss sich erst an die Belastung durch Futter, Ausscheidungen, Pflanzen und andere organische Stoffe anpassen.
Die Einfahrphase ist deshalb weniger eine bestimmte Anzahl von Tagen als vielmehr eine biologische Entwicklungsphase.
Die häufig genannte Aussage „Ein Aquarium muss vier Wochen einfahren“ ist daher nur eine grobe Faustregel. Ein Aquarium kann nach einigen Wochen biologisch bereits sehr stabil sein, während ein anderes auch nach mehreren Wochen noch nicht ausreichend belastbar ist.
Entscheidend ist nicht das Alter des Aquariums, sondern seine biologische Stabilität.
Was passiert während der Einfahrphase?
Nach der Einrichtung beginnen sich Mikroorganismen auf den verschiedenen Oberflächen des Aquariums anzusiedeln.
Dazu gehören:
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Filtermaterial
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Bodengrund
-
Dekoration
-
Steine
-
Wurzeln
-
Glasscheiben
-
Pflanzen
-
Schläuche und technische Bauteile
Auf diesen Oberflächen entsteht nach und nach ein komplexer Biofilm.
Dieser Biofilm besteht nicht aus einer einzigen Bakterienart. Es handelt sich um eine große Gemeinschaft verschiedener Mikroorganismen.
Mit zunehmender organischer Belastung verändert sich auch die Zusammensetzung dieser Mikroorganismen.
Das Aquarium entwickelt dadurch nach und nach seine eigene biologische Struktur.
Der Stickstoffkreislauf während der Einfahrphase
Eine der wichtigsten Aufgaben der Einfahrphase besteht darin, eine ausreichende biologische Verarbeitung stickstoffhaltiger Stoffe aufzubauen.
Futterreste, Kot, abgestorbene Pflanzenteile und andere organische Stoffe werden mikrobiell abgebaut.
Dabei entstehen unter anderem Ammonium beziehungsweise Ammoniak.
Anschließend können nitrifizierende Mikroorganismen diese Stickstoffverbindungen weiter umsetzen.
Vereinfacht:
Organische Stoffe → Ammonium/Ammoniak → Nitrit → Nitrat
Dieser Prozess wird als Nitrifikation bezeichnet.
Ammoniak und Nitrit sind für Fische und viele Wirbellose wesentlich problematischer als Nitrat.
Deshalb ist eine funktionierende biologische Filterung für jedes Aquarium von großer Bedeutung.
Warum entsteht in neuen Aquarien häufig Nitrit?
In einem frisch eingerichteten Aquarium sind die mikrobiellen Gemeinschaften noch nicht vollständig an die vorhandene Belastung angepasst.
Wenn organische Stoffe abgebaut werden, können deshalb zunächst Ammonium und anschließend Nitrit entstehen.
Die Mikroorganismen, die Nitrit weiter zu Nitrat umsetzen, müssen sich ebenfalls erst in ausreichender Menge etablieren.
Dadurch kann es zu einem deutlichen Nitritanstieg kommen.
Dieser Zeitraum wird häufig als Nitritpeak bezeichnet.
Der Nitritpeak
Der Nitritpeak ist einer der bekanntesten Vorgänge während der Einfahrphase.
Dabei steigt der Nitritwert zeitweise deutlich an.
Der genaue Zeitpunkt und die Stärke dieses Anstiegs sind jedoch nicht bei jedem Aquarium gleich.
Einfluss haben unter anderem:
-
verwendetes Filtermaterial
-
Menge und Art der Bakterien
-
Temperatur
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Sauerstoffversorgung
-
vorhandene organische Belastung
-
Pflanzenmasse
-
Bodengrund
-
Wasserwerte
-
Größe des Filters
-
bereits eingefahrenes Material
Deshalb kann man nicht zuverlässig sagen: „Am 10. Tag kommt der Nitritpeak.“
Bei manchen Aquarien ist ein deutlicher Nitritanstieg messbar, bei anderen fällt er kaum auf.
Warum ein Nitritpeak nicht immer sichtbar ist
Ein Aquarium muss nicht zwangsläufig einen spektakulären Nitritpeak zeigen.
Wenn beispielsweise bereits biologisch aktives Filtermaterial verwendet wird, können ausreichend Mikroorganismen vorhanden sein, um entstehendes Ammonium und Nitrit sofort weiterzuverarbeiten.
Dann bleibt der Nitritwert möglicherweise niedrig oder steigt nur kurzzeitig an.
Auch ein stark bepflanztes Aquarium kann sich anders entwickeln als ein nahezu unbepflanztes Aquarium.
Das Fehlen eines deutlich messbaren Nitritpeaks bedeutet deshalb nicht automatisch, dass keine biologische Entwicklung stattgefunden hat.
Wie lange dauert die Einfahrphase?
Eine feste Dauer gibt es nicht.
Als grobe Orientierung werden häufig mehrere Wochen genannt.
Unter günstigen Bedingungen kann ein Aquarium jedoch wesentlich schneller biologisch belastbar werden.
Umgekehrt kann sich die Stabilisierung verlängern, wenn:
-
kaum organische Belastung vorhanden ist
-
wenig Filtermaterial vorhanden ist
-
der Filter zu klein dimensioniert ist
-
die Sauerstoffversorgung schlecht ist
-
der Filter während der Einfahrphase gereinigt oder ausgetauscht wird
-
Medikamente oder andere Stoffe die Mikroorganismen beeinträchtigen
-
die biologische Belastung plötzlich stark erhöht wird
Die Aussage „vier Wochen einfahren“ sollte daher nicht als biologisches Gesetz verstanden werden.
Wann ist ein Aquarium eingefahren?
Ein Aquarium ist nicht einfach deshalb eingefahren, weil vier Wochen vergangen sind.
Viel wichtiger ist, ob das biologische System mit der vorgesehenen Belastung zurechtkommt.
Ein gutes Zeichen ist beispielsweise, wenn:
-
Ammonium/Ammoniak nicht problematisch ansteigt
-
Nitrit dauerhaft niedrig bleibt
-
das Aquarium biologisch stabil wirkt
-
der Filter ausreichend besiedelt ist
-
Pflanzen anfangen zu wachsen
-
keine ungewöhnlichen starken Wasserbelastungen auftreten
Bei einem Aquarium mit geplantem Fischbesatz sollte insbesondere Nitrit kontrolliert werden.
Soll man während der Einfahrphase Fische einsetzen?
Früher wurde teilweise empfohlen, ein Aquarium mit einigen robusten Fischen „einzufahren“.
Davon ist grundsätzlich abzuraten.
Der Grund ist einfach:
Während der Einfahrphase können Ammoniak und Nitrit ansteigen. Fische werden dadurch unnötig belastet.
Ein Aquarium sollte deshalb möglichst ohne Tiere oder mit sehr vorsichtigem Besatz biologisch aufgebaut werden.
Ein kontrollierter Start ist für die Tiere wesentlich schonender.
Das klassische „Fische zum Einfahren“ ist nicht notwendig
Fische sind keine notwendige „Bakterienquelle“.
Die Mikroorganismen, die für die biologische Filterung benötigt werden, gelangen ohnehin über Wasser, Pflanzen, Dekoration, Bodengrund, Filtermaterial und andere Quellen in ein Aquarium.
Viel sinnvoller ist es, gezielt biologisch aktives Filtermaterial einzusetzen, wenn ein schneller biologischer Start gewünscht ist.
Einfahren mit Futter
Eine Möglichkeit, ein neues Aquarium biologisch zu belasten, besteht darin, eine kleine Menge Futter einzubringen.
Dieses Futter wird von Mikroorganismen abgebaut.
Dadurch entstehen stickstoffhaltige Verbindungen, auf die sich die biologische Filterung einstellen kann.
Dabei sollte jedoch nicht einfach große Mengen Futter in ein Aquarium gegeben werden.
Eine übermäßige organische Belastung kann zu unnötigen Problemen führen.
Einfahren mit lebendem Filtermaterial
Eine der effektivsten Möglichkeiten, die biologische Entwicklung eines neuen Aquariums zu beschleunigen, ist die Verwendung bereits biologisch aktiven Filtermaterials.
Ein eingefahrener Filterschwamm enthält bereits eine große Menge Mikroorganismen.
Wird dieses Material in einem neuen Filter eingesetzt, beginnt die biologische Filterung nicht bei null.
Das kann die Einfahrphase erheblich verkürzen.
Dabei ist jedoch wichtig, dass das Material möglichst schnell und schonend vom alten ins neue Aquarium gelangt.
Einfahren mit Bakterienpräparaten
Im Handel werden zahlreiche Bakterienpräparate angeboten.
Sie sollen dem neuen Aquarium Mikroorganismen zuführen und dadurch den biologischen Start beschleunigen.
Solche Produkte können sinnvoll sein, die Qualität und tatsächliche Wirksamkeit der verschiedenen Produkte ist jedoch unterschiedlich.
Außerdem ersetzen Bakterienpräparate nicht automatisch einen ausreichend dimensionierten Filter.
Entscheidend ist nicht nur, ob Bakterien in das Aquarium gelangen, sondern ob sie dort dauerhaft geeignete Lebensbedingungen finden.
Eingefahrene Filterschwämme sind besonders interessant
In der Praxis kann biologisch aktives Filtermaterial einen großen Vorteil bieten.
Ein über längere Zeit laufender Filter besitzt bereits eine etablierte mikrobielle Gemeinschaft.
Bei Aquaristik Tom halten wir für Kunden aus der Region deshalb biologisch hochaktive Filterschwämme aus langjährig eingefahrenen Filtersystemen bereit.
Solches Filtermaterial bringt nicht nur einzelne Bakterien ins Aquarium, sondern eine bereits etablierte mikrobielle Besiedlung mit.
Das kann beim Start eines neuen Aquariums wesentlich interessanter sein als ein vollständig steriles Filtermaterial.
Einfahren mit Pflanzen
Auch Pflanzen bringen Mikroorganismen mit.
Auf Blättern, Wurzeln und insbesondere an den Oberflächen befinden sich zahlreiche Mikroorganismen.
Ein stark bepflanztes Aquarium entwickelt deshalb eine andere biologische Ausgangssituation als ein völlig unbepflanztes Becken.
Zusätzlich nehmen schnell wachsende Pflanzen Ammonium und andere Stickstoffverbindungen auf und können dadurch die Wasserbelastung reduzieren.
Pflanzen ersetzen jedoch nicht automatisch die biologische Filterung.
Dark Start – eine besondere Form der Einfahrphase
Beim sogenannten Dark Start wird ein neu eingerichtetes Aquarium zunächst für eine bestimmte Zeit weitgehend ohne Beleuchtung betrieben.
Diese Methode wird insbesondere bei Aquascapes eingesetzt.
Der Gedanke dahinter ist, dass sich zunächst die biologische Struktur entwickeln kann, ohne gleichzeitig durch intensive Beleuchtung starkes Pflanzenwachstum und Algenwachstum zu fördern.
Während dieser Zeit kann sich das Aquarium biologisch stabilisieren.
Der Dark Start ist jedoch keine zwingende Voraussetzung für jedes Aquarium.
Einfahrphase und Algen
In neuen Aquarien treten relativ häufig Algen auf.
Das ist nicht ungewöhnlich.
Während der Einfahrphase sind:
-
Pflanzen noch nicht vollständig angewachsen
-
Mikroorganismen noch nicht vollständig etabliert
-
Nährstoffverhältnisse noch nicht stabil
-
organische Belastungen unterschiedlich
-
Beleuchtung möglicherweise bereits sehr stark
Algen können solche Startbedingungen ausnutzen.
Das bedeutet nicht automatisch, dass das Aquarium falsch eingerichtet wurde.
Warum man die Beleuchtung am Anfang nicht übertreiben sollte
Ein häufiger Fehler ist, ein neues Aquarium sofort mit maximaler Beleuchtungsstärke und langer Beleuchtungsdauer zu betreiben.
Die Pflanzen müssen sich zunächst an die neuen Bedingungen gewöhnen.
Gleichzeitig ist die biologische Stabilität noch nicht vollständig vorhanden.
Eine moderate Beleuchtung kann deshalb gerade in der Anfangsphase sinnvoll sein.
Später kann die Beleuchtung schrittweise angepasst werden.
Wasserwechsel während der Einfahrphase
Auch während der Einfahrphase können Wasserwechsel sinnvoll sein.
Die Vorstellung, man dürfe während des Einfahrens überhaupt kein Wasser wechseln, ist nicht grundsätzlich richtig.
Ein Wasserwechsel kann beispielsweise notwendig sein, wenn:
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Nitrit stark ansteigt
-
Ammonium/Ammoniak problematisch wird
-
sehr viele organische Stoffe vorhanden sind
-
unerwünschte Stoffe ins Wasser gelangt sind
-
das Ausgangswasser besondere Eigenschaften hat
Ein Wasserwechsel entfernt zwar einen Teil der frei im Wasser befindlichen Stoffe, aber nicht die gesamte biologische Filterung.
Die wichtigsten Filterbakterien sitzen überwiegend auf Oberflächen und im Filtermaterial.
Wasserwechsel entfernen nicht einfach die Filterbakterien
Dieser Punkt ist besonders wichtig.
Viele Aquarianer haben Angst, dass ein Wasserwechsel die mühsam aufgebauten Bakterien aus dem Aquarium entfernt.
Das ist so nicht richtig.
Die für die biologische Filterung wichtigen Mikroorganismen sitzen überwiegend auf:
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Filterschwämmen
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Filtermedien
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Bodengrund
-
Dekoration
-
Pflanzen
-
anderen Oberflächen
Ein normaler Wasserwechsel entfernt deshalb nicht die etablierte Filterbiologie.
Filter während der Einfahrphase nicht unnötig reinigen
Der Filter ist während der Einfahrphase einer der wichtigsten Orte für die Entwicklung der biologischen Filterung.
Deshalb sollte ein neuer Filter nicht ständig gereinigt werden.
Wenn der Filter noch ausreichend durchströmt wird, besteht normalerweise kein Grund, ihn bereits nach wenigen Tagen zu reinigen.
Wird eine Reinigung notwendig, sollte sie möglichst schonend erfolgen.
Warum Sauerstoff während der Einfahrphase wichtig ist
Die nitrifizierenden Mikroorganismen benötigen Sauerstoff.
Eine gute Sauerstoffversorgung unterstützt deshalb den Aufbau der biologischen Filterung.
Das gilt insbesondere für:
-
Filter
-
Filtermaterial
-
Bodengrundbereiche
-
stark besiedelte Oberflächen
Eine gute Wasserbewegung und ein funktionierender Filter sind daher während der Einfahrphase besonders wichtig.
Nitrit messen
Wer ein neues Aquarium einfährt, sollte insbesondere den Nitritwert im Auge behalten.
Je nach Situation können auch folgende Werte interessant sein:
-
Ammonium
-
Ammoniak
-
Nitrit
-
Nitrat
-
pH
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KH
-
GH
Nicht jeder Wert muss täglich gemessen werden.
Bei einem neuen Aquarium ist jedoch insbesondere die Entwicklung von Ammonium/Ammoniak und Nitrit interessant.
Wann können die ersten Fische eingesetzt werden?
Das hängt von der biologischen Entwicklung des Aquariums ab.
Es sollte nicht ausschließlich nach dem Kalender entschieden werden.
Wenn Nitrit dauerhaft nicht nachweisbar beziehungsweise in einem sicheren Bereich liegt und das Aquarium biologisch stabil erscheint, kann mit dem Besatz begonnen werden.
Dabei sollte man nicht sofort den gesamten geplanten Fischbestand einsetzen.
Besser ist ein schrittweiser Besatz.
So kann sich die biologische Filterung an die steigende Belastung anpassen.
Warum schrittweiser Besatz sinnvoll ist
Ein neuer Filter kann beispielsweise problemlos eine kleine Anzahl von Fischen verkraften.
Wird dagegen plötzlich eine große Anzahl von Fischen eingesetzt, steigt die Belastung durch Ausscheidungen und Fütterung sehr schnell.
Die vorhandene Bakteriengemeinschaft benötigt Zeit, um sich an die höhere Belastung anzupassen.
Deshalb:
kleiner Startbesatz → beobachten → biologische Anpassung → weiterer Besatz
ist häufig wesentlich sicherer als:
Aquarium einfahren → sofort kompletter Fischbesatz.
Auch ein lange eingefahrenes Aquarium kann Probleme bekommen
„Eingefahren“ bedeutet nicht, dass ein Aquarium für immer stabil bleibt.
Auch ein jahrelang laufendes Aquarium kann nach Veränderungen aus dem Gleichgewicht geraten.
Beispiele:
-
großer Fischbesatz auf einmal
-
massive Überfütterung
-
Filterausfall
-
längerer Stromausfall
-
kompletter Filterwechsel
-
Austausch des gesamten Filtermaterials
-
Medikamente
-
starke Reinigung
-
abgestorbene Tiere
-
massive Fäulnisprozesse
Die biologische Filterung muss immer zur tatsächlichen Belastung passen.
Einfahrphase nach einem Filterwechsel
Wenn ein alter Filter vollständig gegen einen neuen, biologisch unbesiedelten Filter ausgetauscht wird, kann das Aquarium biologisch wieder in eine Art Übergangsphase geraten.
Deshalb sollte man einen Filter nicht ohne Grund komplett ersetzen.
Besser ist es häufig, einen Teil des alten Filtermaterials in den neuen Filter zu übernehmen.
Dadurch wird die vorhandene biologische Besiedlung weitgehend erhalten.
Einfahrphase nach einem Umzug
Auch bei einem Aquarium-Umzug sollte man die biologische Filterung möglichst erhalten.
Besonders wichtig ist dabei, dass biologisch aktives Filtermaterial nicht unnötig lange trocken liegt.
Filtermaterial sollte möglichst feucht und gut mit Sauerstoff versorgt transportiert werden.
Je kürzer die Unterbrechung und je besser die Bedingungen für die Mikroorganismen, desto größer ist die Chance, dass ein großer Teil der biologischen Aktivität erhalten bleibt.
Kann ein Aquarium ohne Filter eingefahren werden?
Grundsätzlich kann sich auch in einem Aquarium ohne klassischen Filter eine biologische Gemeinschaft entwickeln.
Die Mikroorganismen sitzen nicht ausschließlich im Filter.
Sie besiedeln den gesamten Lebensraum:
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Bodengrund
-
Pflanzen
-
Dekoration
-
Scheiben
-
Wasseroberflächen
-
technische Oberflächen
Ein Filter bietet jedoch eine große, gut durchströmte Oberfläche und sorgt gleichzeitig für Wasserbewegung und Sauerstoffversorgung.
Deshalb ist ein biologischer Filter in vielen Aquarien eine sehr wichtige Unterstützung.
Einfahrphase bei Garnelen
Bei Garnelen sollte ein neues Aquarium möglichst besonders stabil sein.
Garnelen reagieren teilweise empfindlicher auf instabile Wasserbedingungen als viele robuste Fische.
Außerdem profitieren sie von einem gut entwickelten Biofilm.
Deshalb kann es sinnvoll sein, ein Garnelenaquarium nicht möglichst schnell „fertig“ machen zu wollen, sondern ihm Zeit zur biologischen Entwicklung zu geben.
Gerade für Junggarnelen ist ein gut entwickelter Biofilm eine wichtige natürliche Nahrungsquelle.
Einfahrphase bei Schnecken
Viele Schnecken sind robuster und können bereits früh eingesetzt werden, sofern die Wasserwerte passen.
Sie können außerdem bei der Entfernung von Aufwuchs und organischen Belägen helfen.
Auch hier gilt jedoch: Schnecken sind kein Ersatz für eine funktionierende biologische Filterung.
Einfahrphase und Biofilm
Der Biofilm ist ein wichtiger Bestandteil eines neuen Aquariums.
Er bildet sich auf praktisch allen Oberflächen und besteht aus einer komplexen Gemeinschaft von Mikroorganismen.
Für Garnelen und viele andere Tiere ist dieser Biofilm auch als Nahrungsquelle interessant.
Ein Aquarium, das erst wenige Tage alt ist, besitzt deshalb biologisch noch nicht dieselbe Struktur wie ein Aquarium, das bereits viele Monate läuft.
Einfahren bedeutet nicht „Wasser stehen lassen“
Ein Aquarium fährt nicht einfach dadurch ein, dass man es vier Wochen unbeachtet stehen lässt.
Es muss sich eine funktionierende biologische Gemeinschaft entwickeln.
Dazu gehören:
-
geeignete Oberflächen
-
Sauerstoff
-
Wasserbewegung
-
Mikroorganismen
-
organische Belastung
-
Pflanzen
-
Filtermaterial
Ein komplett steriles Aquarium, das vier Wochen ohne jede Belastung steht, entwickelt zwar Mikroorganismen, aber nicht unbedingt eine biologische Filterleistung, die sofort einen großen Fischbesatz bewältigen kann.
Die Einfahrphase kann beschleunigt werden
Die biologische Entwicklung kann unter günstigen Bedingungen deutlich schneller erfolgen.
Besonders wirksam können sein:
-
eingefahrenes Filtermaterial
-
biologisch aktiver Filterschwamm
-
gesunde Pflanzen
-
geeignete Bakterienkulturen
-
ausreichende Sauerstoffversorgung
-
kontrollierte organische Belastung
Dabei sollte man trotzdem nicht davon ausgehen, dass ein Aquarium innerhalb weniger Stunden automatisch vollständig eingefahren ist.
Biologische Prozesse brauchen Zeit.
Was ist wichtiger – Zeit oder biologisch aktives Filtermaterial?
Beides spielt eine Rolle, aber biologisch aktives Filtermaterial kann einen enormen Unterschied machen.
Ein komplett neuer Filter muss zunächst von Mikroorganismen besiedelt werden.
Ein eingefahrener Filter bringt dagegen bereits eine etablierte Bakteriengemeinschaft mit.
Dadurch kann ein neues Aquarium wesentlich schneller biologisch belastbar werden.
Aus praktischer Sicht ist deshalb die biologische Qualität des Filtermaterials häufig wesentlich wichtiger als eine starre Anzahl von Einfahrtagen.
Typische Fehler während der Einfahrphase
Zu den häufigsten Fehlern gehören:
> Zu früher Vollbesatz:
Das Aquarium wird plötzlich stärker belastet, als die biologische Filterung verkraften kann.
> Zu viel Futter:
Übermäßiges Füttern erzeugt unnötige organische Belastung.
> Fische als Bakterienlieferanten einsetzen:
Die Tiere werden dadurch unnötig dem Risiko von Ammoniak und Nitrit ausgesetzt.
> Filter ständig reinigen:
Dadurch wird der Aufbau der biologischen Filterung unnötig gestört.
> Filtermaterial komplett austauschen:
Die bereits vorhandene biologische Besiedlung geht dabei weitgehend verloren.
> Zu starke Beleuchtung:
Kann in der Anfangsphase unnötige Algenprobleme fördern.
> Nur nach dem Kalender entscheiden:
Vier Wochen bedeuten nicht automatisch, dass jedes Aquarium biologisch stabil ist.
> Nitrit nicht kontrollieren:
Besonders bei einem neuen Aquarium kann das gefährlich sein.
Einfahrphase – unser praktischer Tipp
Bei einem neuen Aquarium sollte man nicht versuchen, die biologische Entwicklung mit Gewalt zu beschleunigen.
Viel sinnvoller ist es, von Anfang an möglichst gute Bedingungen für Mikroorganismen zu schaffen.
Ein gut dimensionierter Filter, ausreichende Sauerstoffversorgung, gesunde Pflanzen und möglichst biologisch aktives Filtermaterial können den Start erheblich erleichtern.
Besonders bei einem wertvollen Fisch- oder Garnelenbesatz lohnt es sich, nicht nur auf die Anzahl der Einfahrtage zu achten, sondern auf die tatsächliche biologische Stabilität des Aquariums.
Ein Aquarium ist dann gut eingefahren, wenn seine biologische Filterung die vorhandene Belastung zuverlässig verarbeiten kann – nicht einfach deshalb, weil ein bestimmtes Datum erreicht wurde.
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Fazit
Die Einfahrphase ist die Zeit, in der sich das biologische Gleichgewicht eines neuen Aquariums entwickelt.
Dabei entstehen Biofilme, Mikroorganismen besiedeln Filter, Bodengrund und andere Oberflächen und der Stickstoffkreislauf stabilisiert sich zunehmend.
Der häufig erwähnte Nitritpeak kann während dieser Entwicklung auftreten, muss aber nicht bei jedem Aquarium deutlich messbar sein.
Die Dauer der Einfahrphase lässt sich deshalb nicht pauschal mit zwei, drei oder vier Wochen festlegen.
Entscheidend ist die biologische Belastbarkeit des Aquariums.
Mit biologisch aktivem Filtermaterial, gesunden Pflanzen, ausreichender Sauerstoffversorgung und einem kontrollierten Besatz kann der Start eines Aquariums wesentlich schneller und sicherer erfolgen.
Eine Einfahrphase ist daher nicht einfach eine Wartezeit, sondern die Entwicklung eines funktionierenden biologischen Systems.
